Michael Poliza macht Bilder von fast schmerzender Schönheit...ein visuelles Denkmal
Hamburger Abendblatt, 10.05.2010, DeutschlandPoliza wusste, welche Motive er haben wollte, aber das Warten gehört zu seinem Beruf wie das Surren des Auslösers. Und Poliza, dessen neuer Fotoband SOUTH AFRICA gerade erschienen ist, hat schon oft Stunden, Tage gewartet, nur für diesen einen Augenblick. "Man braucht Geduld und Glück", sagt Poliza, "Glück ist, wenn Vorbereitung und Gelegenheit zusammentreffen." Ein guter Sinnspruch, Poliza formuliert ihn auf Englisch. Wie der Hamburger, der seit anderthalb Jahren wieder in seiner Geburtsstadt lebt, sowieso bisweilen ins Englische verfällt. Poliza ist weit gereist, er gilt als einer der besten Naturfotografen der Welt. ... Dabei verdienen die Fotos allergrößte Aufmerksamkeit, sie sind großartig in ihrer Umfassung der Welt und liebevoll in ihrer Fokussierung auf die Details. ... Poliza, preisgekrönt, änderte in der Erkundung Südafrikas seine Arbeitsweise: Er fotografierte mehr Menschen als je zuvor. Neben Tieraufnahmen - Elefanten, Eulen, Nashörnern - und Surfer-Stränden, Küsten-Paradiesen und Naturparks, die in einem breiten Prospekt die Postkartenreize Südafrikas auffächern, gehören auch die Appartement-Blocks in Johannesburg. ... Es sind eben keine Klischees, in die abzurutschen Poliza laut eigener Aussage fürchtete, sondern eindrucksvolle Bilder des gesellschaftlichen Status Quo: Villen, aneinandergereiht wie in einer pittoresken Spielzeugwelt, und Müllhalden, auf denen Menschen leben. Man muss die Punkte auf dem bunten Flickenteppich, den Poliza aus dem Hubschrauber aufgenommen hat, akribisch suchen, es sind Menschenköpfe. Polizas Fotos haben Muster und Strukturen, wer von oben blickt, dem offenbaren sich die Zusammenhänge. Er hat Südafrika, zusammen mit seinen Kollegen, ein visuelles Denkmal gesetzt, um im Kleinen eben auch einen immer wieder verwunderten und neuen Blick auf das Land gerichtet.
